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Französische Süd- und Antarktisgebiete

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Geographie und administrativer Status

Die Französischen Süd- und Antarktisgebiete (TAAF) sind ein seit 1955 bestehendes Überseegebiet, welches aus den Inselgruppen Crozet und Kerguelen, den Inseln Saint-Paul und Amsterdam, dem Adelieland in der Antarktis und seit 2007 zusätzlich aus den Iles Eparses, zu deutsch „Verstreute Inseln“ (Europa, Glorieuses, Juan de Nova, Bassas da India und Tromelin), besteht.

Die TAAF stehen unter der Aufsicht des Präfekten, der neben der Repräsentation des französischen Staates ebenfalls kommissarisch für die Verwaltung der Kollektivität zuständig ist. In jedem der einzelnen Bezirke wird der Präfekt von einem Bezirkschef vertreten.

Die Gebietskörperschaft verfügt über ein jährliches Budget von rund 26 Millionen Euro, welches Einkünften aus eigenen Einnahmequellen entspricht (Fischereisteuer, Sonderausgabe von Briefmarken, Zölle, Tourismus, Anlegesteuer für Schiffe). Darüber hinaus erhalten die TAAF ebenfalls Zuschüsse vom Überseeministerium Frankreichs und werden für die Erhaltung des TAAF Naturschutzgebietes finanziell vom französischen Ministerium für Umwelt unterstützt.

Erreicht werden können die drei südlichen Bezirke (Crozet, Kerguelen, Saint-Paul und Amsterdam) über das Schiff „Marion Dufresne“, welches von der Insel La Réunion ablegt. Das Schiff „Astrolabe“ steuert das Adelieland in der Antarktis von Hobart in Australien aus an. Die Verstreuten Inseln hingegen werden neben Schiffen ebenfalls mit Militärflugzeugen erreicht. Die Isolierung der TAAF macht eine komplexe logistische Organisation zur Versorgung der Inseln unabdinglich. Eine permanente französische Präsenz auf den Inseln ist daher unerlässlich.

Eine weitere Besonderheit der TAAF ist das Fehlen einer permanenten Bevölkerung. Aus diesem Grunde gibt es weder eine Wahlbevölkerung, noch Abgeordnete oder ein lokales Parlament. Allerdings erstattet der Präfekt in regelmäßigen Abständen einem Komitee beratender Vertreter und anderen qualifizierten Experten Bericht über Fiskal-, Budget- und Umweltfragen.

Forschung

Das Gebiet der TAAF erstreckt sich vom 11. bis zum 90. Breitengrad und reicht damit von den Tropen bis hin zum Südpol. Aufgrund seiner geographischen Isolierung und des historisch sehr begrenzten menschlichen Einflusses haben die Inseln eine besondere Bedeutung für die Erforschung wissenschaftlicher und ökologischer Themenbereiche.

Folglich fanden über die vergangenen Jahrzehnte viele Forschungsprojekte in allen fünf Bezirken der TAAF statt. Die Forschungsbereiche reichen dabei von Biowissenschaften bis hin zur Weltraumwissenschaft.

In den südlichen Gebieten und im Adelieland werden diese Studien durch das Institut Polaire Paul-Emile Victor in enger Zusammenarbeit mit den TAAF durchgeführt. Durchschnittlich arbeiten jährlich rund 225 französische sowie ausländische Wissenschaftler an ca. 60 verschiedenen Programmen auf den einzelnen Stationen.

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Auf den Verstreuten Inseln haben die TAAF das INEE (Nationales Institut für Ökologie und Umwelt) sowie das INSU (Nationales Institut der Weltraumwissenschaft) mit einer Mission zur Wahrung der Kohärenz in der weltweiten Forschung betraut.

Die Präsenz von Météo France, Frankreichs staatlichem Wetterdienst, in jedem der einzelnen Bezirke hat zur Folge, dass meteorologische Beobachtungen auch in diesen isolierten Regionen erfolgen können. Diese Arbeit trägt darüber hinaus auch dazu bei, ein besseres Verständnis von Klimaveränderungen in Inselregionen im Allgemeinen zu gewinnen.

Die TAAF arbeiten ebenfalls mit dem Centre national d’études spatiales (Nationales Zentrum für Raumforschung) zusammen, welches eine Satellitenüberwachungsstation auf Kerguelen betreibt, sowie mit dem Commissariat à l’énergie atomique et aux énergies alternatives (Kommissariat für Atomenergie und alternative Energien) im Rahmen des Kernwaffenteststopp-Vertrages.

Sozialwissenschaftlich ausgelegte Studien reihen sich ebenfalls in die Aktivitäten der TAAF wie die Arbeiten zur Bergung der schiffsbrüchigen Utile beweisen, sowie jene zu den vergessenen Sklaven auf Tromelin oder die Bergung von Inventar gesunkener Schiffe um die Verstreuten Inseln durch die Abteilung für archäologische und Unterwasserforschung.

Die südlichen Bezirke sowie das Adelieland bieten auf ihren Forschungsstationen Platz für 20 bis 100 Personen. Wissenschaftler sowie technisches Personal bleiben in diesen Bezirken in der Regel für eine Dauer von einigen Monaten bis zu einem Jahr. Einsatzkräfte des Militärs sowie Meteorologen bleiben in der Regel für einen Zeitraum von 30 bis 45 Tagen auf den Verstreuten Inseln.

Biodiversität

Die südlichen Inseln (Crozet, Kerguelen sowie Saint Paul und Amsterdam) zeichnen sich durch ihre extreme Abgelegenheit und spezifische Wetterbedingungen aus, die zu einer Vielzahl endemischer Arten geführt hat sowie zu besonderen Anpassungen der Fauna und Flora .Die Crozet-Inselgruppe ist zum Beispiel die Heimat der weltweit größten Kolonie von Seevögeln (25 Millionen Vögel suchen Crozet jedes Jahr zum Brüten auf). Die Königspinguine bilden Kolonien von bis zu einer Million Mitgliedern. Eine weitere typische Tierart ist der Amsterdam-Albatros, der auf der Insel Amsterdam heimisch ist. Mit jährlich nur 30 sich fortpflanzenden Pärchen wird diese Art von der IUCN (Internationale Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen) als kritisch gefährdet betrachtet.

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Albatros d’Amsterdam (Diomedea amsterdamensis)

Ebenfalls präsent in der Region ist eine große Anzahl von Meeressäugern, so z.B. mehrere Arten von Delfinen und Walen. Große Gruppen von Seelöwen und Seeelefanten versammeln sich jedes Jahr auf dem Land um sich fortzupflanzen.

Das Adelieland ist bekannt für seine große Konzentration an geschützten Vogelarten und Meeressäugern wie z.B. Sturmvögel, Pinguine, Schwertwale, Finnwale usw. Der Kaiserpinguin ist dabei einer der sinnbildlichsten Arten dieser kalten Region der Welt.

Die Verstreuten Inseln beherbergen komplexe und vielfältige Ökosysteme wie Mangroven und Korallenriffe. Gleichzeitig sind diese Inseln Heimat für zahlreiche Kolonien von Seeschwalben (Sterna fuscata) im Indischen Ozean (mehr als zwei Millionen Paare). Sowohl die Suppenschildkröte als auch die Echte Karettschildkröte suchen die Verstreuten Inseln als Brutplatz auf. Beide Arten zählen zu den am stärksten gefährdeten Tieren weltweit und stehen unter Artenschutz.

Nachhaltige Entwicklung der Fischereiressourcen

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© TAAF

Die TAAF verfügen über eine 2.390.000 km² große Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ), welche Frankreichs zweitgrößte AWZ nach der Französisch-Polynesiens darstellt. Mit über 11 Millionen km² steht Frankreich damit, dank seiner überseeischen Gebiete, an zweiter Stelle weltweit hinter den Vereinigten Staaten.

Drei Fischarten werden primär von den TAAF verwaltet :

• Der Schwarze Seehecht (auch als chilenischer Seebarsch bekannt), der um Kerguelen und Crozet ansässig ist ;
• Langusten, um Saint Paul und Amsterdam ;
• Thunfisch, im Gebiet der Verstreuten Inseln und in der Straße von Mosambik.

Der Fang des Schwarzen Seehechts und der Langusten ist streng reglementiert und ihr Bestand wird durch wissenschaftlich fundierte Fangquoten des Nationalmuseums für Naturgeschichte auf einem konstanten Niveau gehalten. Die TAAF sind bei der Verwaltung ihres südlichen Fanggebietes kontinuierlich bemüht den Standards internationaler Gütesiegel für nachhaltige Entwicklung nachzukommen.

In den Verstreuten Inseln werden die Bestände der wandernden Scombroidei (Thunfische und Makrelen) durch die IOTC (Thunfischkommission für den Indischen Ozean) überwacht.

Genauso wie in den südlichen Inseln verschreiben sich die TAAF auch im nördlichen Indischen Ozean einer nachhaltigen Verwaltung der Fischbestände. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit bestimmten wissenschaftlichen Organisationen wie der IFREMER (Französisches Forschungsinstitut für die Nutzung der Meere), dem IRD (Forschungsinstitut für Entwicklung) und Fachleuten der Fischereibranche.

Geschützte Gebiete

Das Naturschutzgebiet der Französischen Süd- und Antarktisgebiete wurde im Jahr 2006 errichtet. Dieses erstreckt sich über die gesamte Oberfläche von Crozet, Kerguelen, Saint Paul und Amsterdam genauso wie über einen Großteil der umliegenden Gewässer. Es ist Frankreichs größtes Naturschutzgebiet und gleichzeitig das größte geschützte Feuchtgebiet in Europa (siehe Ramsar Konvention über Feuchtgebiete).

Das Adelieland untersteht dem Schutz des 1959 geschlossenen Antarktisvertrags, welcher den Kontinent zu einem Gebiet des „Friedens und der Wissenschaft“ proklamiert. Der Vertrag wurde durch das Madrider Protokoll ergänzt (1991).

Im Jahre 1975 wurden die Verstreuten Inseln zum regionalen Naturschutzgebiet erklärt. Dieser Schutz wird in den kommenden Jahren noch weiter durch die Schaffung von Meeresschutzgebieten gestärkt.

Auch über diese Schutzmaßnahmen hinaus führen die TAAF eine aktive Umweltpolitik, die sich vor Allem dem Erhalt der Biodiversität verschreibt. So organisieren die TAAF zum Beispiel großräumig angelegte Reinigungsaktionen in der Umgebung und entsorgen den täglich in den verschiedenen Bezirken produzierten Abfall im örtlichen Entsorgungsnetz auf La Réunion.

Internationale Beziehungen und regionale Zusammenarbeit

Das biologische Erbe dieser Gebiete ist bis heute quasi unberührt. Im Namen der internationalen Gemeinschaft ist Frankreich der Garant für die Erhaltung dieser Inseln.
Die TAAF nehmen darüber hinaus als Teil der französischen Delegation aktiv an beratenden Sitzungen des Antarktis-Vertragssystems und der Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (CCAMLR) teil.

Durch die Verstreuten Inseln gehören die TAAF zu den im Indischen Ozean vertretenen Gebieten und tragen in dieser Rolle, zusammen mit den anderen französischen Inseln La Réunion und Mayotte, zu einer Stärkung der regionalen Zusammenarbeit im Bereich der Fischerei, der Erhaltung biologischer Vielfalt und der wissenschaftlichen Erforschung anderer globaler Fragestellungen bei.

Die TAAF gehören nicht zur Europäischen Union, sind dieser jedoch als Teil der „Überseeischen Länder und Gebiete“ (ÜLG) assoziiert.